ROMANE
zurück


Gewinne der Götter Gunst
von Malachy Hyde



Der vierte Roman in der Silvanus - Reihe

Nomiert für den Sir Walter Scott-Preis

491 Seiten, Droemer/Knaur (Juni 2007)
ISBN-10: 342663368X
ISBN-13: 978-3426633687

Inhalt
Leseprobe
Presse

direkt zu Amazon
aber am besten im Buchhandel nachfragen


Cover Das Geheimnis des Mithras-Tempels
  

Inhalt - Gewinne der Götter Gunst

Pergamon, 38 v. Chr.:

Was führte zum plötzlichen Tod des Gerbers Sciron? Wie viele Menschen hatten Grund, ihm Böses zu wollen? Oder war es am Ende das Wirken schwarzer Magie?

Der sympathische Ermittler Silvanus Rhodius steht vor einem Rätsel. Er sucht Rat bei der schönen Zauberin Senophrata - und verliebt sich auf den ersten Blick. Doch ausgerechnet sie gerät in den Verdacht, eine kaltblütige Mörderin zu sein ...  

nach oben
 


Leseprobe - Gewinne der Götter Gunst

Sanft loderten die Flammen der Kerzen in den Kandelabern und tauchten die Wände in goldenes Licht. Silvanus trat vor das Standbild der Göttin Fortuna, hob die Hände, schloß die Augen und fühlte eine Ruhe in sich, die er lange vermißt hatte.
Zufällig hatte er heute morgen diesen Weg gewählt und an einer Straßenecke das kleine Heiligtum gefunden. Von außen sah es unscheinbar aus, er wäre vorbeigelaufen, hätte ihn nicht ein Weihrauchhauch angeweht, der durch das Portal nach draußen gedrungen war. Er war hineingegangen, nein, es hatte ihn hineingezogen, und so stand er nun hier zu Füßen dieser wankelmütigen Göttin, deren Gunst er wieder zu erringen hoffte.
Er wurde immer sonderbarer, seit er in dieser Provinz war. Aber vielleicht sollte es so sein, vielleicht war tatsächlich alles vorherbestimmt, und er hatte keinen Einfluß auf sein Schicksal, wie manche Philosophen behaupteten. Er öffnete die Augen und ließ die Hände sinken, ja, er wußte, was zu tun war. Er sollte seine Arbeit, so gut es ihm möglich war, beenden, und wenn die Götter ihm dabei helfen konnten, so durfte er sich dem nicht verschließen.
Er wollte der Göttin etwas opfern, Fortunas Wohlwollen konnte er gut gebrauchen, ein wenig Glück tat ihm wahrhaft not. Draußen war jedoch niemanden gewesen, der Weihrauch oder ähnliche Opfergaben verkaufte. Er sah sich um. Hinter ihm, neben dem Eingang stand ein Kasten, ein Automat, stellte er fest, als er nähertrat. "Weihrauch: 1 Drachme" informierte ihn das Schild auf dem Deckel. Silvanus holte die Münze aus seinem Beutel und warf sie in einen Schlitz. Dumpf rollte die Drachme ihren verborgenen Pfad entlang und schlug mit einem Klirren auf. Ein leises Knarren, dann prasselten einige Weihrauchkörner in die Holzschale unter dem Kasten.
Was für eine ausgeklügelte Mechanik. Zwar hatte er schon von solchen Automaten gehört, gesehen aber hatte er noch keinen, und hier, in diesem abgelegenen Winkel der Stadt, hätte er niemals so etwas erwartet. Was die Technik heutzutage alles vermochte, es dauerte wohl nicht mehr lange, und sie flögen wie die Vögel. Waren nicht Daedalus und Ikarus gar schon geflogen, und allein Ikarus' Hochmut hatte den Erfolg vereitelt? Silvanus hatte diese Geschichte für erfunden gehalten, früher. Doch hätte man da geglaubt, daß ein solcher Kasten eine Portion Weihrauch gegen eine Drachme herausgeben würde, ganz allein, ohne menschliches Eingreifen?
Er suchte ein weiteres Geldstück und warf auch dies in den Schlitz. Noch einmal erfreute er sich an dem reibungslosen Ablauf der Maschinerie. Wahrhaftig ein Wunderwerk, gestiftet von Polidoros, so stand auf einer Inschriftentafel an der Wand zu lesen, aus Dank an Fortuna für erwiesene Wohltaten, glückliche Jahre und günstige Geschäfte.
Silvanus warf seinen Weihrauch in die Schale mit den glühenden Kohlen, Rauch stieg auf, kräuselte sich um das Haupt der Göttin. Wie schön sie war, wie sanft ihre Augen leuchteten. Er schluckte, plötzlich schien es Laelia zu sein, die ihn anblickte, voller Enttäuschung. Hätte er das Schicksal ändern können? Was nutzte es ihm jetzt, es war zu spät. Er mußte nach vorn blicken. Vielleicht, wenn er in seinem Amt gute Arbeit leistete - so er dazu noch Gelegenheit hatte - wenn Ventidius Bassus wieder von seinen Fähigkeiten überzeugt war, vielleicht gab ihm auch Laelia noch eine Chance. Wenn er ihr bewiese, wie ernst es ihm diesmal war, wie sehr er sie brauchte, wie sehr er auf sie, auf ihr Urteil vertraute, wenn er ihr zeigte, daß er ihr zugehört hatte. Oft hatte sie beklagt, er sei ganz woanders, erzählte sie ihm etwas, und sie hatte recht. Er wünschte, er wäre wenigstens gestern für ihr Anliegen offener gewesen, daß Zorn und Verzweiflung ihm nicht die Ohren verstopft hätten. Von Dorimachos hatte sie erzählt, Bromeos' und Hesperis' Sohn. Hatte Laelia wirklich gesagt, der verdächtigte seine Mutter, Sciron ermordet zu haben? Auf jeden Fall konnte er sich erinnern, daß sie die Sache mit Finculus' Schulden erwähnt hatte. Warum fiel es ihm erst jetzt wieder ein, unbedingt mußte er den Mann zur Rede stellen. Silvanus fluchte leise, besann sich und warf einen entschuldigenden Blick zur Fortuna hinüber. Die lächelte.
Hesperis. Auch Karsas hatte in Zusammenhang mit Palamedes von Hesperis gesprochen. Vielleicht war doch etwas daran. Was also tun? Noch einmal zu Illicia, um sich von ihr genau berichten zu lassen, was sie von Dorimachos erfahren hatte? Um so indirekt zuzugeben, daß er Laelia wieder nicht zugehört hatte? Nein, lieber zu Dorimachos selbst und dann zu Finculus. "Fortuna", murmelte er, "gib mir deinen Beistand. Ich weiß, ich habe deine Hilfe nicht verdient, dennoch bin ich so freimütig, dich darum zu bitten." Er neigte sein Haupt und versprach der Göttin und sich selbst, bald wiederzukommen und ein neues Opfer darzubringen.

nach oben
   


Presse - Gewinne der Götter Gunst

27.07.2007
Neue Presse Hannover
"...Malachy Hyde verstehen sich darauf, die Szenerie vor 2050 Jahren lebendig werden zu lassen."


Rheinische Post
"Wunderbar lebendig, nicht zuletzt dank des erfrischend dekadenten Ermittlers, der sich lieber im Thermalbad massieren lässt, als einem blutdürstigen Mörder nachzustellen ...".

nach oben
 


Startseite | Kontakt