ROMANE
zurück


Das Geheimnis des Mithras-Tempels
von Hagemann & Stitz



Der erste Band der Reihe um unseren Helden Gaius Claudius Quintilianus.
Der junge Römer beginnt seine militärische Karriere in der Colonia Ulpia Traiana, dem heutigen Xanten.

382 Seiten, Grafit Verlag, Juli 2006
ISBN-10: 3894256036
ISBN-13: 978-3894256036

Inhalt
Leseprobe

direkt zu Amazon
oder zu libri
aber am besten im Buchhandel kaufen


Cover Das Geheimnis des Mithras-Tempels
  


Inhalt - Das Geheimnis des Mithras-Tempels

Schlimmer hätte es ihn nicht treffen können:
Der junge Römer Quintilianus wird ins ferne Germanien, in ein Lager bei Colonia Ulpia Traiana geschickt. Dort ist es kalt, es gibt kaum Vergnügungen und unter den Legionären herrscht eine eigentümliche Stimmung. Bald muss Quintilianus feststellen, dass diese Stimmung vor allem von einem geprägt ist: Angst.
Und er stößt auf weitere, handfeste Merkwürdigkeiten: In den Abrechnungen des Versorgungsamtes finden sich Unregelmäßigkeiten und viele – zu viele – Bauern der Umgebung klagen über Zahlungsunfähigkeit, weil sie Opfer von Raubüberfällen wurden.
Auch um sich zu profilieren, macht Quintilianus Meldung nach Rom.
Und bewirkt tatsächlich etwas: Der Legionskommandant Rufus wird abberufen und Martius sein Nachfolger. Daraufhin bessert sich zumindest die Stimmung. Dann aber wird der Centurio Saturius erschlagen aufgefunden und das Misstrauen erfährt eine neue Blüte:
War der Täter ein Mitglied der Räuberbande? Jemand aus der Stadt oder gar einer von Saturius’ eigenen Leuten? Nun will Quintilianus die ganze Wahrheit wissen …

 nach oben
 


Leseprobe - Das Geheimnis des Mithras-Tempels

Er zügelte seinen Hengst kurz vor dem Westtor des Lagers und trabte grußlos an den Wachen vorbei. Noch standen die Tore offen, trotz der einsetzenden Dämmerung, keiner hielt ihn auf. Hatten die Männer ihn erkannt, oder war es Disziplinlosigkeit? Leichtsinn, ihn einzulassen, ohne auch nur nach der Losung zu fragen, er würde den Legionskommandanten auf diese Nachlässigkeit hinweisen müssen. Ein seltsamer Mann, dieser Rufus. In die Stadt ging er so gut wie nie, nicht einmal diese so genannten Gladiatorenkämpfe hatten ihn gelockt. Nun, wer konnte es ihm verübeln. Wahrscheinlich hatte er oft genug solch zweifelhaften Vergnügungen beiwohnen müssen, war froh gewesen, die Repräsentationspflichten auf ihn, Quintilianus, abschieben zu können. Quintilianus würde anders vorgehen, erreichte er einmal diese Position, und so er sich nicht gegen den Kaiser stellte, würde er sie erreichen, dies wenigstens war gewiss. Nur, wollte er das überhaupt? Sicher, sein Vater hatte ihn Tag für Tag gemahnt, dass politische und militärische Pflichten auf ihn warteten, und diese Aussicht entbehrte nicht einer gewissen Faszination. Eine Legion in den Kampf zu führen, über das Wohl und Wehe von tausenden von Legionären, Reitern, Bogenschützen zu bestimmen, die Macht, die damit einherging ... Allerdings hatte Quintilianus sich nie vorgestellt, seine Laufbahn in Germanien zu beginnen. Sein Vater hatte Recht gehabt mit seinen Vorwürfen, er würde seine Studien vernachlässigen, sich nicht auf seine Pflichten vorbereiten. Eine Warnung war es gewesen und Quintilianus hatte sie in den Wind geschlagen, das Leben in Rom hatte ihn gefangen gehalten. Fabius, Sextus, Aemilius, wie gerne säße er jetzt mit ihnen in einer Taverne, mit Priscilla, Aelia, Cynthia. Stattdessen wartete sein Quartier auf ihn, keine große Verlockung. Besser, er wäre in der Traiana geblieben, hätte sich die Stadt angesehen, vielleicht wäre es noch ein schöner Abend geworden, mit gutem Wein, Essen, bestimmt auch Frauen. Zu spät.
Aus einer Seitengasse taumelte ein Legionär. Quintilianus' Hengst wieherte, stieg, tänzelte seitwärts.
„Verdammt!“ Er hielt sich am Sattel fest, fast wäre er heruntergefallen. „Was fällt dir ein, du Tölpel. Wie heißt du, wer ist dein Centurio? Trunkenheit im Dienst werde ich nicht durchgehen lassen.“ Er trieb sein Pferd nahe an den Mann heran, drängte ihn an die Mauer eines Getreidespeichers.
Als Antwort kam ein Röcheln.
„Zu betrunken, um deinem Tribun die Ehre zu erweisen, was? Das kostet dich mindestens zwanzig Stockhiebe, wenn nicht die Entfernung aus dem Dienst.“ Den Kerl musste er sich aus der Nähe ansehen, so ein Benehmen konnte er nicht dulden. Quintilianus sprang von seinem Pferd, warf Livius die Zügel zu. „Wie also ist dein Name?“
„Renantius, Herr. Und die Hiebe ... habe ich schon bekommen.“ Wie unter Schmerzen presste er die Worte heraus, während seine Beine unter ihm nachgaben.
Quintilianus beugte sich zu dem Legionär hinunter. Keine Weinfahne, und der Mann trug nur eine Tunika, seltsam bei dem Wetter. Jetzt sah er auch, dass sie auf dem Rücken blutbeschmiert und zerrissen war, deutlich erkannte er die zerfetzte Haut der Beine. Bei allen Göttern. „Was hast du getan, dass du so gezüchtigt worden bist?“
„Ein Sack Getreide, den ich abladen half, fiel zu Boden und platzte.“ Renantius quälte sich auf, stützte sich an die Mauer.
„Weiter nichts?“
„Nein.“
„Und dafür wurdest du so bestraft?“
„Ja, Tribun.“ Er wankte, schloss die Augen, rang nach Luft. „Er … er zerschlug seinen Centurionenstab auf meinem Rücken.“
Prügel waren nichts Ungewöhnliches, doch wenn der Mann die Wahrheit sagte, so war diese Züchtigung keineswegs angemessen für ein solch geringes Vergehen, soviel wusste Quintilianus nach zwei Wochen Militärdienst. Man würde den Centurio zur Rede stellen müssen. „Wie heißt der Mann?“
„Ich kann nicht, weiß nicht ….“
„Na gut. Wohin wolltest du?“
„In meine Unterkunft, Tribun.“
Der Mann zitterte, konnte sich kaum auf den Beinen halten. „Du wirst in das Hospital gehen und deine Wunden versorgen lassen. – Livius!“
Der Sklave sprang herab. „Herr?“
„Begleite diesen Mann in das Lazarett, sage, dass ich ihn schicke, sollte man Schwierigkeiten machen. Dann bringe die Pferde in den Stall. Aber beeile dich.“ Ein Trupp Legionäre strebte den Unterkünften zu. „He, ihr da, du und du, kommt her.“
Die Männer zögerten, schauten zu den Mannschaftsunterkünften hinüber, aus deren Schornsteinen vereinzelt schon helle Rauchschwaden quollen samt dem Duft frisch gebackenen Brotes.
„Ihr stützt diesen Mann auf dem Weg in das Hospital. Na los, macht schon.“
Als sie ihn anfassten, stöhnte Renantius auf. Sie legten seine Arme um ihre Schultern und schleppten ihn mehr als dass sie ihn stützten. „Bist ja böse zugerichtet“, hörte Quintilianus einen von ihnen sagen. „Hat wieder seinen Stab zerschlagen, was?“ Dann waren sie aus seinem Hörfeld verschwunden.
Quintilianus schüttelte den Kopf. Welch eine Provinz, welch ein Lager.


  nach oben
 

 

nach oben
 


Startseite | Kontakt