VENEDIG
 
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Venedig im 15. Jahrhundert war ein Staat, in dem fast alle Belange stark reglementiert waren. Die Herrschenden waren ausschließlich Patrizier, sie stellten den Dogen und alle relevanten Ämter. Allesamt entstammten sie alt eingesessenen Familien, für die das Wohl Venedigs untrennbar mit dem eigenen Wohl verknüpft war.

 

Rat der Zehn, Consiglio dei Dieci

Der Rat der Zehn war nur einer von mehreren Räten. Ursprünglich diente er dazu, Schaden von Venedig fernzuhalten. Gemeint ist das Verhindern von Hochverrat und dessen Ahndung. Im Laufe der Jahre bekam der Rat – oder nahm sich – immer mehr Rechte und Pflichten, bis hin zur Aufsicht über die Bordelle, aber auch über die Montanindustrie, eben den Bergbau. Somit war dieser Rat auch die oberste Instanz für Prospektoren wir Federico. Leider antwortete das venezianische Archiv nicht auf meine Anfrage, ob es Akten zur Entsendung dieser Erzsucher gibt. Ich bin sicher, es gibt sie und bedauere sehr, in dieser Hinsicht nicht weitergekommen zu sein.


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Venedig, die Handelsmetropole
 

Venedig war das ganze Mittelalter hindurch eine der bedeutendsten Handelsmetropolen Europas. Hier siedelten sich die ersten Banken an - auf dem Ri'alto, dem hohen Ufer mit seiner Rialtobrücke, tatsächlich lange Zeit die einzige Brücke über den Canale Grande. Die Stadt war durch seine Geschichte eng mit dem Byzantinischen Reich verbunden. Venedig war im ausgehenden Mittelalter, dem 15. Jahrhundert, die einzige Handelsmacht, die noch mit Byzanz Handel treiben konnte, einer der reichsten Städte der bekannten Welt. Der Staat überwachte zwar seine Bürger (und natürlich Besucher ebenso), verschaffte ihnen jedoch auch Möglichkeiten und Chancen. Ereilte einen Kaufmann der Bankrott, aus welchen Gründen auch immer, bestand die Aussicht auf Konsolidierung: Verarmte Patriziersöhne konnten einen Neuanfang beginnen, wenn sie zuvor ein paar Jahre Dienst als Bogenschütze an Bord einer der Galeeren des venezianischen Handelskonvois, der Muda, ableisteten. Als Gegenleistung konnten sie Ladekapazitäten für eigene Geschäfte nutzen und so allmählich wieder zu Geld kommen.

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Mangan, Kobalt und die Glasindustrie
 

Murano – noch heute ist dieser Name untrennbar mit der Glasproduktion verbunden. Seit dem hohen Mittelalter sind die Glasbläsereien wegen der Feuergefahr der Produktionsstätten auf dieser Insel angesiedelt. Es kursiert in der Literatur und Internet noch immer das Gerücht, dass die Glasbläser quasi interniert, gefangen oder auf dieser Insel de facto weggesperrt gewesen seien, weil nur sie das Geheimnis kannten, wie kristallines Glas erzeugt werden konnte. Es liegt nahe anzunehmen, dass eine in manchen Bereichen (Rat der Zehn) fast diktatorisch regierte Gesellschaft wie die Venezianische, diese Geheimnisträger weggesperrt hat. Mittlerweile konnte die Forschung jedoch nachweisen, dass dem nicht so war. Venezianische Glasbläser arbeiteten auch andernorts, in Böhmen beispielsweise. Richtig ist allerdings, dass der Senat, bzw. der zuständige Rat der Zehn, nicht begeistert darüber waren, wenn die Fachkräfte abwanderten. Daher versuchten sie dies nach Kräften zu verhindern, durch entsprechende Verträge oder durch „Überzeugungskraft“. Wie das im Einzelnen aussah, weiß ich nicht zu sagen, in vielen Fällen muss es jedoch Wirkung gezeigt haben. Denn die Verbreitung der Kunst venezianischer Glas- und später der Kristallspiegelherstellung blieb tatsächlich hauptsächlich auf Venedig beschränkt.

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Zur Stadt und ihrer Bauten
 

Palazzo oder C’a? Manche Autoren geben im Nachwort oder Glossar an, dass in Venedig außer dem Palazzo Ducale, dem Dogenpalast, der Ausdruck Palazzo für entsprechende Bauten nicht üblich sei, sondern diese venezianisch C’a, also Casa hießen. Beispielsweise das C’a Doro, das goldene Haus. Mir allerdings ist die Bezeichnung Palazzo durchaus häufiger in Venedig begegnet. Davon abgesehen denke ich, dass der Begriff Palazzo vertrauter ist und jeder sich eine Vorstellung von der Art dieser Gebäude machen kann. Daher heißen in meinem Roman die entsprechenden Gebäude Palazzi.


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Marcusplatz und Marcusplätzchen
 

Die Piazetta di San Marco ist der kleine Platz direkt am Bacino, vor dem Dogenpalast, dort, wo auch die Säulen der Stadtpatrone stehen, zwischen denen tatsächlich Verbrecher zur Abschreckung kopfunter aufgehängt wurden. Der große Markusplatz wird von der Kirche San Marco dominiert. Zur der Zeit meines Romans, also vor 1500, war der Markusplatz noch mit roten Ziegeln im Fischgrätmuster gepflastert und muss rein farblich einen ganz anderen Eindruck vermittelt haben, als der heutige Marmorboden.

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